Vor 75 Jahren – Was wirklich geschah Teil 8

170939

UdSSR überfällt Polen

VOR 75 JAHREN, im Morgengrauen des 17. September 1939, fand der in den Geschichtsbüchern meist verschwiegene Überfall der Sowjetunion auf Polen statt.

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Die Sowjetarmee stand drei Wochen Gewehr bei Fuß, erst als Polen zusammengebrochen war, maschierte sie in Ostpolen ein. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, eigentlich schon gleich nach dem Angriff auf die Sowjetunion 1941, erklärte Stalin, dass die völkerrechtswidrige Landnahme in Polen ein Akt der Prävention gewesen war. Niemand wiedersprach – die Deutschen waren die Verlierer. Polen wurde nach Westen geschoben, die Sowjetrepublik Ukraine vergrößerte sich um 85 %.

Der sowjetischen Invasion folgten Massendeportationen und Zwangsumsiedlungen. Die Bürgerder von den Polen als „Ukraine“ (polnisches Wort für „Ostmark“, welches das Gebiet bis zum Dnjepr bezeichnete, welches zum polnisch-litauischen Staat im 17. Jahrhundert gehörte hatte) wurden verhaftet, gefoltert und erschossen, allen voran Offiziere, Soldaten und Intellektuelle. “700.000 bis eine Millionen Menschen fielen den Repressalien der russischen Armee zum Opfer”, schätzt der Historiker und ehemalige Europaparlamentarier Wojciech Roszkowski. Diese Kriegsverbrechen der Roten Armee werden bis heute der Deutschen Wehrmacht angelastet — Katyn ist also kein Einzelfall. Allerdings behauptet heutzutage kein ernstzunehmender Historiker mehr, dass Katyn ein Kriegsverbrechen der Deutschen gewesen sei, da die u. a. von Stalin und Molotow unterzeichneten Mordbefehle in den Archiven gefunden wurden. Putin soll diese Massenmorde an ca. 25.000 Berufs- und Reserveoffizieren, Polizisten und anderen Staatsbürgern Polens als normale Kriegshandlung bezeichnet haben.

Die polnische Philosoph und Historiker Marian Zdziechowski (1861 — 1938) nannte die in Ostpolen herrschenden Verhältnisse bereits in den zwanziger Jahren eine »Büchse der Pandora«. Im September 1939 wurde sie von den Sowjets geöffnet.

„Nach der militärischen Besetzung Ostpolens gingen die Sowjets daran, ihre Macht im Land zu etablieren. Ihr Ziel war es, die alte kapitalistische Ordnung zu zerschlagen und das kommunistische System einzuführen, das heißt, das Land zu sowjetisieren. Dafür mussten zunächst die alten politischen und sozialen Eliten ausgeschaltet werden. Zu den dabei angewandten Methoden gehörten Verhaftungen, Folter, Massendeportationen, Zwangsumsiedlungen und Massenerschießungen.

Die sowjetischen »Befreier« überzogen das von ihnen besetzte Ostpolen mit einem Terror, der dort in diesem Ausmaß bis dahin unbekannt gewesen war, während die Sowjets über eine zwanzigjährige Erfahrung mit dem Terror verfügten und die vorhandenen ethnischen und sozialen Spannungen instrumentalisieren konnten, um ihre Herrschaft zu festigen. Dabei funktionalisierten und förderten sie, zum Teil unbeabsichtigt, niedere Instinkte und Negativwerte wie Denunziantentum, Rachedurst, Missgunst, Schadenfreude und die Neigung, anderen »eins auszuwischen«.

Resultat der knapp einundzwanzig Monate währenden sowjetischen Herrschaft in Ostpolen waren mehrere hunderttausend Deportierte (330.000 bis etwa 400.000) und Inhaftierte (etwa 120.000) sowie Abertausende von Gefolterten und Ermordeten. Hinzu kamen die Folgen weiterer Maßnahmen, die für die sowjetisch-kommunistische Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung typisch sind: Enteignung und Kollektivierung, Mangel- und Misswirtschaft, Schwarzmarkt, Korruption und Vetternwirtschaft.“

Aus einer Zusammenfassung von drei Kapiteln des von dem deutsch-polnischen Historiker Bogdan Musial (* 1960), verfassten Buches »Konterrevolutionäre Elemente sind zu Erschießen« — Die Brutalisierung des deutsch-sowjetischen Krieges im Sommer 1941, Propyläen Verlag, Berlin, München 2000, (zweite Auflage Februar 2001).
http://www.historisches-centrum.de/forum/musial01-1.html

England und Frankreich, die ihren Schützling Polen bis dato völlig im Stich gelassen hatten, erklärten der Sowjetunion nicht den Krieg, denn das am 25. August 1939 geschlossene polnisch-britische Abkommen besagte im geheimen Zusatzprotokoll, dass dieser Vertrag sich einzig und allein gegen Deutschland richtete. Wegen des Einmarsches in Polen, der zur Rettung der dort lebenden Volksdeutschen notwendig geworden war, hat die ganze demokratische Welt Deutschland den Krieg erklärt — Stalin dagegen erhielt bald darauf vom Westen umfassende und unbegrenzte Hilfe.

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