Vor 75 Jahren – Was wirklich geschah Teil 6

3.9.39

Hier einige wenig bekannte Tatsachen:

Nachdem sich England bereit erklärt hatte, auf direkte Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen hinzuwirken, um den Konflikt friedlich beizulegen, wurde von deutscher Seite für den 30. August ein polnischer Verhandlungspartner erwartet, der mit Vollmachten zu einem Vertragsabschluss ausgestattet sein sollte. Als Verhandlungsbasis wurde ein 16-Punkte-Programm entworfen:
https://archive.org/details/VorschlagFrEineRegelungDesDanzig-korridor-problemsSowieDer
3.9.39

Statt des Bevollmächtigen kam die Nachricht von der polnischen Generalmobilmachung …

Auf Grund von Schreckensmeldungen aus Polen über ethnische Säuberungen verlor sogar Hitler die Beherrschung und brüllte „Ich kann es nicht zulassen, dass man meine Deutschen wie das Vieh abschlachtet!“ Danach gab er den 2. Einmarschbefehl (den ersten am 26. August hatte er wieder zurückgenommen, weil er weiter auf eine friedliche Lösung durch Verhandlungen hoffte). Den Einwänden des Außenministers Ribbentrop entgegnete er: „Ich habe das Recht und die Pflicht, alle Deutschen zu verteidigen, und ich werde es nicht dulden, dass man einem Deutschen auch nur ein Haar krümmt!“ Er war davon überzeugt, dass die Engländer Verständnis für diese notwendige Maßnahme haben würden. Nach dem Einmarsch wurde festgestellt, dass die Polen etwa 4850 Deutsche, Männer Frauen und Kinder, ermordet hatten.
Quelle: Fritz Hesse – Das Spiel um Deutschland, S. 207ff

Der Schweizerische Gesandte Hans Frölicher übergab am 1. September 1939 dem Staatssekretär Ernst von Weizsäcker (Vater des ehemaligen Bundespräsidenten) die Verbalnoten betreffend die schweizerische und liechtensteinische Neutralität. Beim Abschied bemerkte Weizsäcker, dass Deutschland zwar zurzeit in Feindseligkeiten mit Polen verwickelt sei, ein Kriegszustand im eigentlichen Sinne jedoch nach deutscher Auffassung nicht, bzw. noch nicht vorlag. Weizsäcker konnte aus seinem eigenen Gesichtskreis dem Gesandten versichern, dass Deutschland alles Erdenkliche getan habe, um den Ausbruch der Feindseligkeiten zu verhüten.
ADAP D XII, S. 420

Am 2. September 1939 vormittags wurde die Reichsregierung vom Italienischen Botschafter informiert, dass Italien noch die Möglichkeit habe, von Frankreich, England und Polen eine Konferenz auf folgenden Grundlagen annehmen zu lassen:
1. Waffenstillstand, der die Armeen lässt, wo sie jetzt sind;
2. Einberufung der Konferenz in zwei bis drei Tagen;
3. Lösung des polnisch-deutschen Streits.

Für diesen von Mussolini ausgegangenen Lösungsvorschlag setzte sich besonders Frankreich ein. Der Reichsaußenminister stellte eine Antwort bis spätestens Sonntagabend (3.9.1939) in Aussicht, worauf der Italienische Botschafter Attolico erwiderte, dass man sich ruhig Zeit lassen könne.


Hitler jedoch tat noch mehr: Am 2. September wurde Fritz Hesse, Pressebeirat der Deutschen Botschaft in London, zu Sir Horace Wilson gesandt, welcher eine Schlüsselrolle in der Appeasement-Politik der damaligen englischen Regierung spielte und Berater des Premierministers Nevile Chamberlain war. Sir Horace sollte dem Kabinett folgendes Angebot unterbreiten:
Rückzug der Truppen aus Polen und Wiedergutmachung des entstandenen Schadens, falls England im deutsch-polnischen Konflikt die Vermittlung übernimmt und dafür Sorge trägt, dass Deutschland Danzig und eine Straße durch den Korridor erhält.
Hitler steckte also noch einmal gegenüber der schon großzügigen 16-Punkte umfassenden Verhandlungsgrundlage zurück. Die Antwort von Sir Horace war niederschmetternd: „Ich kann Ihren Vorschlag dem Kabinett nicht mehr unterbreiten, da er keine Chance hat, angenommen zu werden.“
Fritz Hesse – Das Spiel um Deutschland, S. 214

Frankreich war auf Drängen Englands hin schließlich bereit am Krieg teilzunehmen – aber erst, nachdem Mussolini seine Nichtteilnahme zugesichert hatte, denn die Franzosen fürchteten einen Zweifrontenkrieg. Zudem blieb Chamberlain schon deshalb keine Wahl, weil das Kabinett seine Amtsenthebung angedroht hatte, falls er nicht sofort gegen Deutschland vorgehen würde. Wäre er gestürzt worden, hätte die Kriegspartei — Churchill, Eden, Cooper u. a.— sofort mit den Kriegshandlungen begonnen. Chamberlain hingegen wollte nur den Kriegszustand herstellen, weil er hoffte, dass Generäle des deutschen Widerstands ihren Plan wahr machen und Hitler vor Gericht stellen würden – ein fataler Irrtum!
Trotz all dieser Bemühungen — auch anderer europäischer Regierungen und des Papstes – den europäischen Krieg zu verhindern, der sich durch den Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 schließlich zu einem Weltkrieg ausweitete, stellte England am Sonntagmorgen des 3. September 1939 um 9 Uhr folgendes auf nur 2 Stunden befristetes Ultimatum (wer hat diese Kriegserklärung Englands schon einmal in einem Geschichtsbuch entdeckt — bzw. überhaupt diese unstrittigen historischen Fakten gekannt?):

Der Britische Botschafter an den Reichsaußenminister
BRITISH EMBASSY
BERLIN, den 3. September 1939

Euer Exzellenz,
In der Mitteilung, welche ich die Ehre hatte, Ihnen am 1. September zu machen, unterrichtete ich Sie auf Weisung des leitenden Staatssekretärs für Auswärtige Angelegenheiten Seiner Majestät, dass die Regierung Seiner Majestät im Vereinigten Königreich ohne Zögern ihre Verpflichtungen gegenüber Polen erfüllen werde, wenn nicht die Deutsche Regierung bereit sei, der Regierung Seiner Majestät im Vereinigten Königreich befriedigende Zusicherungen dahingehend abzugeben, dass die Deutsche Regierung jegliche Angriffshandlung gegen Polen eingestellt habe und bereit sei, ihre Truppen unverzüglich aus polnischem Gebiet zurückzuziehen.
2. Obwohl diese Mitteilung vor mehr als 24 Stunden erfolgte, ist keine Antwort eingegangen, hingegen wurden die deutschen Angriffe auf Polen fortgesetzt und verstärkt. Ich habe demgemäß die Ehre, Sie davon zu unterrichten, dass, falls nicht bis 11 Uhr vormittags britischer Sommerzeit am heutigen Tage, dem 3. September, eine befriedigende Zusicherung im oben erwähnten Sinne von der Deutschen Regierung erteilt wird und bei Seiner Majestät Regierung in London eintrifft, der Kriegszustand zwischen den beiden Ländern von dieser Stunde an bestehen wird.
3. Ich benutze diese Gelegenheit, Eurer Exzellenz erneut meiner höchsten Ehrerbietung zu versichern.
Nevile Henderson

Bekanntlich hatte Polen keinerlei Nutzen von den Garantien Englands und Frankreichs. Es gibt heutzutage Stimmen in Polen, die es bedauern, dass man seinerzeit nicht bei dem seit Januar 1934 befreundeten Deutschland geblieben war. England hatte seinen Krieg, um das Gleichgewicht der Kräfte (Balance of Power) in Europa wiederherzustellen, welches seit August 1939 durch das deutsch – sowjetische Bündnis erheblich gestört war.

WIR DEUTSCHEN SOLLTEN DIE WAHRHEIT AUCH DANN ERTRAGEN, WENN SIE FÜR UNS GÜNSTIG IST!

viaGeschichtsrevision.

One Comment

  1. Pingback: Weltkrieg II - Geschichtsrevision

You must be logged in to post a comment Login

Leave a Reply

%d Bloggern gefällt das:
Zur Werkzeugleiste springen