Weltkrieg I — Friedensangebot 1916 Dokumentierte Zeitgeschichte

Weltkrieg I — Friedensangebot 1916 Dokumentierte Zeitgeschichte

December 12, 1916 in Berlin, Germany

Reichskanzler Bethmann Hollweg vor dem Reichstag:

Meine Herren, ich habe heute Morgen den Vertretern derjenigen Mächte, die unsere Rechte in den feindlichen Staaten wahrnehmen, also den Vertretern von Spanien, den Vereinigten Staaten von Amerika und der Schweiz, eine entsprechende, an alle feindlichen Mächte gerichtete Note mit der Bitte um Übermittlung übergeben. Das gleiche geschieht heute in Wien, in Konstantinopel und in Sofia. Auch die übrigen neutralen Staaten und Seine Heiligkeit der Papst werden von unserem Schritt benachrichtigt.

Die Note hat folgenden Wortlaut:
Der furchtbarste Krieg, den die Geschichte je gesehen hat, wütet seit bald zwei und einem halben Jahr in einem großen Teil der Welt. Diese Katastrophe, die das Band einer gemeinsamen tausendjährigen Zivilisation nicht hat aufhalten können, trifft die Menschheit in ihren wertvollsten Errungenschaften. Sie droht den geistigen und materiellen Fortschritt, der den Stolz Europas zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bildete, in Trümmer zu legen.

Deutschland und seine Verbündeten, Österreich-Ungarn, Bulgarien und die Türkei, haben in diesem Kampf ihre unüberwindliche Kraft erwiesen. Sie haben über ihre an Zahl und Kriegsmaterial überlegenen Gegner gewaltige Erfolge errungen. Unerschütterlich halten ihre Linien den immer wiederholten Angriffen der Heere ihrer Feinde stand. Der jüngste Ansturm im Balkan ist schnell und siegreich niedergeworfen worden. Die letzten Ereignisse beweisen, dass auch eine weitere Fortdauer des Krieges ihre Widerstandskraft nicht zu brechen vermag, dass vielmehr die gesamte Lage zu der Erwartung weiterer Erfolge berechtigt.

Zur Verteidigung ihres Daseins und ihrer nationalen Entwicklungsfreiheit wurden die vier verbündeten Mächte gezwungen, zu den Waffen zu greifen. Auch die Ruhmestaten ihrer Heere haben daran nichts geändert. Stets haben sie an der Überzeugung festgehalten, dass ihre eigenen Rechte und begründeten Ansprüche in keinem Widerspruch zu den Rechten der anderen Nationen stehen. Sie gehen nicht darauf aus, ihre Gegner zu zerschmettern oder zu vernichten.

Getragen von dem Bewusstsein ihrer militärischen und wirtschaftlichen Kraft und bereit, den ihnen aufgezwungen Kampf nötigenfalls bis zum Äußersten fortzusetzen,
(Bravo! rechts)
zugleich aber von dem Wunsch beseelt, weiteres Blutvergießen zu verhüten
(Bravo! links)
und den Gräueln des Krieges ein Ende zu machen, schlagen die vier verbündeten Mächte vor, alsbald in Friedensverhandlungen einzutreten.
(Erneutes Bravo.)

Die Vorschläge, die sie zu diesen Verhandlungen mitbringen werden, und die darauf gerichtet sind, Dasein, Ehre und Entwicklungsfreiheit ihrer Völker zu sichern, bilden nach ihrer Überzeugung eine geeignete Grundlage für die Herstellung eines dauerhaften Friedens.
Wenn trotz dieses Anerbietens zu Frieden und Versöhnung der Kampf fortdauern sollte, so sind die vier verbündeten Mächte entschlossen, ihn bis zum siegreichen Ende zu führen. Sie lehnen aber feierlich jede Verantwortung dafür vor der Menschheit und der Geschichte ab.
(Wiederholter stürmischer Beifall. Händeklatschen auf den Tribünen. – Glocke des Präsidenten.)

Meine Herren, im August 1914 rollten unsere Gegner die Machtfrage des Weltkrieges aus. Heute stellen wir die Menschheitsfrage des Friedens.
(Bravo! links und in der Mitte.)

Wie die Antwort unserer Feinde lauten wird, warten wir mit der Ruhe ab, die uns unsere innere und äußere Kraft und unser reines Gewissen verleiht.
(Bravo!)

Lehnen die Feinde ab, wollen sie die Weltenlast von allem Schrecklichen, was darnach noch folgen wird, auf sich nehmen, dann wird bis in die letzte Hütte hinein jedes deutsche Herz aufs neue in heiligem Zorn aufflammen gegen Feinde, die um ihrer Vernichtungs- und Eroberungsabsichten willen dem Menschenmorden keinen Einhalt tun wollen.
(Bravo! links und in der Mitte.)

In schicksalsschwerer Stunde haben wir einen schicksalsschweren Entschluss gefasst. Er ist durchtränkt von dem Blute von Hunderttausenden unserer Söhne und Brüder, die ihr Leben gelassen haben für der Heimat Sicherheit. Menschenwitz und Menschenhand können in diesem Völkerringen, das alle Schrecknisse irdischen Lebens, aber auch alle Größe menschlichen Mutes und menschlichen Willens in nie gesehener Weise enthüllt hat, nicht bis an das letzte heranreichen. Gott wird richten. Wir wollen furchtlos und aufrecht unsere Straße ziehen, zum Kampf entschlossen, zum Frieden bereit.
(Wiederholtes stürmisches Bravo links und in der Mitte. – Händeklatschen auf den Tribünen und im Hause. – Glocke des Präsidenten.)

Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, Reichstagrede, 80. Sitzung des Reichstags, Dienstag, den 12. Dezember 1916

Dieses Friedensangebot wurde am 30. Dezember 1916 von den Feinden Deutschlands abgelehnt. Der deutsche Kaiser antwortete mit folgendem Erlass:
„Im Verein mit den Mir verbündeten Herrschern hatte ich unseren Feinden vorgeschlagen, alsbald in Friedensverhandlungen einzutreten. Die Feinde haben Meinen Vorschlag abgelehnt. Ihr Machthunger will Deutschlands Vernichtung. Der Krieg nimmt seinen Fortgang! Vor Gott und der Menschheit fällt den feindlichen Regierungen allein die schwere Verantwortung für alle weiteren furchtbaren Opfer zu, die Mein Wille euch hat ersparen wollen. In der gerechten Empörung über der Feinde anmaßenden Frevel, in dem Willen, unsere heiligsten Güter zu verteidigen und dem Vaterlande eine glückliche Zukunft zu sichern, werdet ihr zu Stahl werden. Unsere Feinde haben die von Mir angebotene Verständigung nicht gewollt. Mit Gottes Hilfe werden unsere Waffen sie dazu zwingen!“

– Großes Hauptquartier, den 5. Januar 1917. gez. Wilhelm,
Der Reichskanzler Adolf Hitler hat bekanntlich schon nach einem Monat, am 6. Oktober 1939, sein erstes Friedensangebot an England und Frankreich gerichtet — auch diese Bekundung des deutschen Friedenswillens traf auf schroffe Ablehnung …

via Geschichtsrevision.

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